Zeitreise ins Berlin der 60er Jahre

Das im Berlin der 60er Jahre geplante System von Stadtautobahnen, die als Tangenten rund um das Stadtzentrum angelegt waren, findet sich noch heute im Stadtbild wieder – ohne dass diese aus heutiger Sicht irritierende Vision der modernen Stadt umgesetzt wurde. Die sog. „Südtangente“, eine quer von Charlottenburg über Schöneberg bis Kreuzberg geplante Schnellstraße mit dem offiziellen Namen A106 hätte drastische Folgen für Stadtbild gehabt.

Fünf Motive entlang der geplanten Trasse: Olivaer Platz, An der Urania, Mehringplatz, Moritzplatz und Kottbusser Tor
Auto, Auto, über alles?

Der Begriff Autogerechte Stadt leitet sich ab vom 1959 erschienenen Buch des Architekten Hans Bernhard Reichow. Sinn der Konzeption war es, die aus dem Mittelalter stammenden Städte mit überwiegend engen Straßen und Gassen, die Jahrhunderte vor der Entstehung des Automobils angelegt worden waren, an moderne Mobilitätsbedürfnisse anzupassen. Wichtige Bestandteile waren mehrspurige Umgehungsstraßen, Fußgängerzonen, Unterführungen für den Fuß- und Radverkehr, Parkhäuser und Parkleitsysteme für die Stadtzentren. Nach heutigen Maßstäben wird das Konzept von manchen als warnendes Beispiel verfehlter Stadtplanung dargestellt. So schreibt Annette Tietenberg, Professorin an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig:

„Autogerechte Stadt – wer dieses Schlagwort hört, verdreht die Augen, verzieht den Mund und winkt ab. Das war einmal. Menschenfeindlich. Technokratisch. Ressourcen verschleudernd. Da sind sich alle einig. Und doch: Es sind nicht wenige, die ihr Leben nach diesem Modell ausrichten, oft ohne es zu wissen. Der Architekt und Stadtplaner Hans Bernhard Reichow (…) fasste die Leitgedanken der Stadt- und Verkehrsplaner in der Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders zusammen. (…) Keine Dominanz des Individualverkehrs, sondern ein Ort der friedlichen Koexistenz von Mensch und Maschine stand ihm vor Augen. (…) Die Straßenbreite orientiert sich an den Anforderungen des Lieferverkehrs, die Architektur dient parkenden oder vorbei brausenden Autos als Kulisse, die Ampelschaltung macht dem selbstvergessenen Flaneur Beine, und die Sinne werden vom Brummen der Motoren und vom Dieselgeruch verwöhnt.“

Gruss aus Berlin lädt mit fünf Motiven entlang der geplanten Autobahnstrecke zur Zeitreise ein. Die Gründerzeit der Stadt, ihr Wiederaufbau nach 1945 und die Gegenwart werden in den Motiven ablesbar.

Olivaer Platz – die verbreiterte Zufahrt zur Umgehung der Westcity

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An der Urania – die breite Auffahrt zur Stadtautobahn

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Mehringplatz – eine hermetisch geschlossene Rundbebauung trotzt dem Verkehrslärm

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Moritzplatz – jahrzehntelang eine trostlose Stadtbrache

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Kottbusser Tor – das NKZ als Schallwall zur Autobahn

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Gute Zeitreise! Die Welt von vor 100 Jahren im Stadtbild von heute.